Block > Generisches Femininum

Wir alle kennen sicher das generische Maskulinum, da wir ueberall damit konfrontiert werden. Ein Text enthaelt dabei nur maennliche Substantive bzw. Pronomen und soll alle Frauen mit einschliessen. Also z.B. heisst es:

"Viele Studenten essen heute in der Mensa".

Dabei sind nicht nur maennliche Studierende, sondern auch weibliche in der Mensa anzutreffen, aber das generische Maskulinum soll diese mitmeinen. Das Wort Studierende waere in diesem Fall die neutrale Wortwahl, mit dem alle Geschlechter mitgemeint sind.

Diese Sprachweise wird zurecht kritisiert, denn es wird sich meistens eine Gruppe von Maennern vorgestellt, aber nur selten darunter auch eine Gruppe von Frauen (zu den Maennern). Zudem wird nicht unterschieden, wieviele Personen nun denn eigentlich maennlich sind. Es koennten daher neun Frauen und ein Mann sein, trotzdem wuerde es Studenten heissen. Es haengt aber wohl auch von dem Beruf ab, denn Krankenschwestern oder Kindergaertner werden sich ueblicherweise als eine Gruppe von Frauen vorgestellt (trotzdem heisst es dann nicht Kindergaertnerinnen).

Drehen wir mal den Spiess um, und benutzen von vornherein nur die weiblichen Woerter (also das generische Femininum), was Maenner mitmeinen soll, sieht das z.B. so aus:

"Die Spielerinnen spielen gerade in einer grossen Halle Counter-Strike".

Vorurteilshaft ist eine Gruppe von CS-Spielenden (was wieder die neutrale Wortwahl waere) maennlich angesehen, d.h. wir stolpern zuerst mal ueber das Wort Spielerinnen und stellen uns eine grosse Anzahl an weiblichen Spielenden vor. Dabei ist die tatsaechliche Anzahl an weiblichen Personen in etwa gleich der Anzahl an maennlichen Personen in diesem Satz. D.h. die Maenner sind in diesem Fall "nur" mitgemeint.

Diese Art der kreativen "Sprachhacks" sorgt aber direkt fuer zahlreiche Kritik, die von Unverstaendnis

"Gibt es in eurer Welt etwa keine Maenner?"

und Traditionsgruenden

"Ihr verschandelt dadurch die Sprache, das war doch schon immer so!"

ueber Uebertreibungen

"Dann muessten wir ja wohl auch die Stuhlin oder die Grashalmin sagen!"

bis hin zu wuesten Beschimpfungen

"Ihr habt sie ja wohl nicht alle! Scheiss Femnazis!"

reicht.

Die Loesung: das ganze erklaeren, was es damit auf sich hat, nicht die Trolle fuettern und eine neutrale Sprachform verwenden, denn es kann sich an alles gewoehnt werden ;)

Darauf gekommen bin ich durch den Vortrag "Sprache, Ungleichheit und Unfreiheit" von Anatol Stefanowitsch beim 29C3.

Das hat mir schwer zu denken gegeben, weshalb ich zuerst mal versucht habe, neutrale Woerter zu finden. Zudem habe ich versucht das Woertchen "man" zu vermeiden, indem ich eine Passivkonstruktion verwendet habe (auch in diesem Text), also z.B. statt

"..., denn man kann sich an alles gewoehnen"

habe ich

"..., denn es kann sich an alles gewoehnt werden"

verwendet.

Ich habe mich deshalb auch entschlossen, hier auf meiner Website nur noch neutrale Woerter zu nutzen, oder sowas wie Spieler*innen, wobei da das Wort Spielende auch voll ok waere. Erklaert habe ich das in meiner Bachelorarbeit (die ich auch schon neutral geschrieben habe) mit:

Die Sprachform dieser Arbeit (mit Asterisk) versucht einseitige
Sprachformen zu transzendieren und inkludiert
auch Menschen abseits des binaeren Geschlechtermodells [50],
[55].

Das drueckt kurz und knapp folgendes aus:

Ich verwende einen Sternchen (* = Asterisk) in manchen Woertern, um auch Menschen, die nicht weiblich oder maennlich sind einzuschliessen.
Damit "hacke" ich die Sprache und versuche, einseitige (also z.B. das generische Maskulinum) Formulierungen zu vermeiden.

Was natuerlich ein neues Thema aufmacht, naemlich die nicht Zweigeschlechtlichkeit unserer Gesellschaft, was aber hier glaube ich zuviel wird. Eventuell schreibe ich da auch nochmal drueber.

Also, viel Spass beim Sprache hacken, liebe Leserinnen ;)

Geschrieben: 2015-08-09, 22:33 - Tags: ich, sprache, begriffe